5         Schwerpunkte bei der Gestaltung von Unterricht und Schulleben

5.1      Konzept zur Werteerziehung

5.1.1  Vorüberlegungen
Zu den grundlegenden Aufgaben der Institution Schule zählen nicht nur die Vermittlung lebensbedeutsamen Wissens sowie der Aufbau einer Vielzahl von Kompetenzen, über die Schüler in ihrem zukünftigen Leben  beruflich und privat verfügen sollten. Vielmehr geht es auch darum, ein solides Wertefundament als Basis eines demokratischen und friedlichen Miteinanders zu schaffen. Ein bloßes Vorgeben von Werten ohne eigenes Verständnis wirkt hier eher kontraproduktiv. Es geht darum, durch praktische Umsetzungsmaßnahmen ein Wertebewusstsein sinnvoll aufzubauen. Die Wissensvermittlung macht den Kernbereich der Aufgaben eines Lehrers aus. Doch auch die Erziehung der Schüler gehört zu seinem Aufgabenbereich, um wertegeleitetes Handeln anzuregen. Hierfür muss ein Lehrer seinen Schülern mit Respekt und Verständnis für deren persönliche Anliegen und Lebenslagen gegenübertreten, ihnen zugleich ihre Zugehörigkeit zur Gemeinschaft signalisieren und sie in ihrem Persönlichkeitsaufbau konstruktiv begleiten. Es geht nicht nur um das einseitige Setzen von Grenzen durch die Lehrkraft, sondern um die Entwicklung gemeinsam akzeptierter Ordnungsformen für das tägliche Zusammenleben.

 5.1.2   Bereiche ethischer Grundprinzipien
Das oberste Prinzip wertegeleiteten Handelns ist die Stärkung der Persönlichkeit.
Hierzu gehören folgende drei Bereiche:

  • individuelle Kompetenzen, wie Selbstdisziplin, Leistungsbereitschaft,
  • Selbstständigkeit und Kreativität
  • soziale Kompetenzen, wie Verantwortungsbewusstsein, Hilfsbereitschaft, Zivil-courage, Kritikfähigkeit, Toleranz, Gerechtigkeitssinn, Fairness und interkulturelle Kompetenz
  • Kompetenzen, die vor allem im beruflichen und gesellschaftlichen Leben von

Bedeutung sind, wie Teamfähigkeit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Disziplin


5.1.3   Die Bedeutung  der Schulatmosphäre für immanente Werterziehung
Werteerziehung erfolgt nicht nur ausdrücklich über Lerninhalte oder Methoden, sondern wird immanent im täglichen Schulalltag im Rahmen der pädagogischen Gesamtatmosphäre einer Schule geleistet.
Das Vorbild des Lehrers spielt dabei eine große Rolle, vor allem, was wertegeleitetes Handeln vor der Klasse betrifft, zum Beispiel in Bezug auf Pünktlichkeit, Höflichkeit, Gerechtigkeit etc. Die Schaffung eines positiven Klassen- und Schulklimas trägt so entscheidend zum Aufbau der Selbstachtung des Einzelnen bei. Die Internalisierung moralischen Verhaltens wird dabei nicht durch das theoretische Besprechen von Regeln erreicht, sondern dass diese Regeln im Klassenverband gelebt werden. Eigene Wertüberzeugungen sollten die Lehrkraft dabei verbindlich, standfest und mit echter innerer Überzeugung vertreten und vorleben, nicht aber indoktrinieren.
Ebenso wichtig ist eine vertrauensvolle und effektive Zusammenarbeit im Kollegium und zwischen Eltern und Lehrerschaft, die Konsequenz und Orientierung für die Heranwachsenden garantiert. Werte können nicht glaubhaft transportiert werden, wenn bei den an der Erziehung Beteiligten Widersprüche in den Erziehungsvorstellungen und in der Bereitschaft zu konsequentem Handeln bestehen.
Ein Teil des pädagogischen Handelns besteht aus der Anwendung von Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen. Die Auswirkungen von Regelüberschreitungen müssen für die Betroffenen auf kognitiver und emotionaler Ebene veranschaulicht und Regelübertritte umgehend sanktioniert und begründet werden. Hier hat sich vor allem die enge Zusammenarbeit mit der an unserer Schule tätigen Schulsozialarbeiterin Frau von Nordheim, der Familienberatungsstelle Köln-Kalk und der Polizei im Rahmen des Projekts „Mut gegen Gewalt in Porz“ bewährt. Die Polizei steht beispielsweise bei Gewaltkonflikten moderierend zur Verfügung und organisiert gegebenenfalls Konfrontationen der Täter mit den Opfern und Gespräche zwischen Täter- und Opfereltern.

5.1.4   Akzentuierung in den schuleigenen Lehrplänen
Inhaltlich orientierte Werteerziehung im Unterricht findet vor allem in Fächern wie Religionslehre/Praktische Philosophie, in den sprachlich-literarischen, den gesellschaftlich-historischen, den musischen Fächern und im Sportunterricht (Fairness, Teamfähigkeit, Disziplin) statt. In den Naturwissenschaften ist insbesondere die Umwelterziehung ein wesentlicher Faktor.
Die Akzentuierung innerhalb unserer schuleigenen Lehrpläne zielt darauf ab, die hohe Bedeutung, die wir der Demokratieerziehung beimessen, umzusetzen:
Die demokratischen Errungenschaften in all ihren Facetten (Freiheit, Gleichheit, Solidarität, Menschenwürde, Menschenrechte, Bürgerrechte, Friedensbemühungen, Religionsfreiheit, Einsatz gegen Antisemitismus) kennen zu lernen, sie zu würdigen und zu bewahren. Aus dieser Zielsetzung leiten sich alle anderen individuellen und sozialen Kompetenzen innerhalb der inhaltlichen Wertevermittlung ab.


5.2      Beratung
Kontinuierliche Beratung der Schüler und ihrer Eltern ist eine wesentliche Voraussetzung für den Schulerfolg.
Neben den wöchentlichen Sprechstunden aller Lehrer, den beiden Elternsprechtagen im Schuljahr, der ausführlichen Beratung durch die Klassenlehrer während und am Ende der Erprobungsstufe und der Tätigkeit der jährlich von der Schülerschaft gewählten Vertrauenslehrern, gibt es weitere feste Bestandteile unseres Beratungskonzepts:


5.2.1   Schullaufbahnberatung
In jedem Jahr findet Ende November/Anfang Dezember der „Tag der offenen Tür“ in der Schule statt. Hier ist Gelegenheit für Kinder der zukünftigen fünften Klassen und deren Eltern, Einblick in den Unterricht und die verschiedenen Schwerpunkte der Schule zu nehmen. Im Januar findet zusätzlich ein Informationsabend für die Eltern statt. Hier erhalten sie Informationen zum Konzept der Schule und zur Schullaufbahn.
Im April/Mai findet sowohl eine individuelle Beratung für die Schüler der Jahrgangsstufe 6 durch die Fachlehrer als auch eine Informationsveranstaltung für die Erziehungsberechtigten im Hinblick auf die Wahl des Neigungsschwerpunktes statt.
Zu Beginn eines jeden Schuljahres werden Eltern und die Schülerschaft der Klassen 10 über die zentralen Prüfungen informiert.


5.2.2   Präventive Maßnahmen im Hinblick auf Verhaltens- und Lernproblemen
Die Schulsozialarbeiterin unterstützt und ergänzt die Beratungsarbeit der Lehrerschaft: Auffällige Schüler  können zur freiwilligen Einzelfallberatung an die Schulsozialarbeiterin überwiesen werden.
Darüber hinaus werden in den einzelnen Klassenstufen verschiedene Programme  angeboten:
In der Jahrgangsstufe 8 werden Schüler im Rahmen einer freiwilligen  AG zu Streitschlichtern ausgebildet (siehe Kap. 3.4.2). Die Erfolge der Streitschlichtung sollen durch ein Sozialtrainingsprogramm für die 5. Klassen unterstützt werden.
Paten aus den 10. Klassen helfen dabei, den Wechsel der Schüler von der Grundschule zur Realschule so konfliktarm wie möglich zu gestalten (siehe Kap. 3.4.6).


5.2.3   Kontakte zu außerschulischen Einrichtungen bei Verhaltens- und Lern-      probleme
Stellt sich nach Beratungsgesprächen mit der Schulsozialarbeiterin heraus, dass Hilfe von außerschulischen Fachkräften erforderlich ist, so vermittelt diese den Kontakt zu externen Einrichtungen, wie Jugendamt, schulpsychologischem Dienst, Familienberatungsstellen usw. 

5.3      Kulturelle Aktivitäten
Neben der Vermittlung von Faktenwissen im Unterricht, kann die Schule ihrem Bildungsauftrag nur gerecht werden, wenn sie die Schülerinnen und Schüler mit örtlichen Einrichtungen von Kultur und Wissenschaft vertraut macht. Ein verbindlicher Kanon von Unterrichtsgängen im Laufe der Realschulzeit soll sie zur Teilnahme am geistig-kulturellen Leben ihrer Umgebung befähigen.
Dazu gehören auch alle innerschulischen Angebote im musisch-künstlerischen Bereich. Sofern es die Schulsituation zulässt, wird den Schülerinnen und Schülern im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften die Möglichkeit gegeben, verschiedene Musikinstrumente zu erlernen und/oder bei Schulaufführungen mitzuwirken. Solche Schulveranstaltungen stärken die Verantwortungsbereitschaft und das Gemeinschaftsgefühl aller. Seit 2012 werden an der Max-Planck-Realschule im Zweijahresrhythmus z.B. große Musicalinszenierungen realisiert. Diese werden unter der Leitung von Herrn Klein (Musik) im Rathaussaal des Porzer Bezirksamtes aufgeführt. An diesen Projekten können sich die Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen 5-10 in unterschiedlicher Form beteiligen (z.B. Chor-AG, Musical-Dance-AG, Bühnenbild-AG, Kostüm-AG, Technik-AG…). Vor den Sommerferien wird allen Klassen die Gelegenheit gegeben, eine Vormittagsvorstellung im Rathaus zu besuchen. Diese Aufführungen finden mittlerweile auch außerhalb der Schulgemeinde großen Anklang und prägen das Bild der Schule nach außen. Gleichzeitig fördern sie aber auch eine Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung aller Beteiligten sowie eine stärkere Identifikation mit der Schule. Dies sorgt wiederum für ein besseres Gemeinschaftsgefühl innerhalb der gesamten Schulgemeinde.
Des Weiteren wird versucht, die kulturelle Teilhabe der Schülerinnen und Schülern im Rahmen von Unterrichtsgängen und Ausflügen zu fördern (Besuch des Beethoven-Hauses in Bonn, Museumsbesuche, Philharmonie, Oper, Theater…).
In regelmäßigen Abständen werden außerdem Autorinnen und Autoren, Musiker/innen, Schauspieler/innen und Künstler/innen für Lesungen, Konzerte, Theaterstücke oder andere Projekte in die Schule eingeladen.

5.4      Konzept zur Berufswahlorientierung
Ein Konzept zur Berufswahlorientierung besteht seit vielen Jahren und wird ständig erweitert und aktualisiert. Es beginnt in der Jahrgangsstufe 8 und erstreckt sich bis zum Ende der Stufe 10. In diesen drei Jahren arbeiten Lehrkräfte der Schule eng zusammen mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit und mit verschiedenen Ansprechpartnern aus Wirtschaft und Schule, um den Schülern breit angelegte Informationen und Kompetenzen in den Bereichen Bewerbung und Berufswahl zu vermitteln. Bewerbungstrainings und Praktika runden die Angebote ab, indem sie Kontakte zu außerschulischen Partnern herstellen.
Die Schule nimmt seit dem Schuljahr 2016/17 an dem Landesprogramm KAOA teil.

5.4.1   Planungen und Aktivitäten

  Planungen und Aktivitäten
Klasse 8 / 1.Halbjahr * Treffen der Klassenlehrer mit der Berufswahlkoordinatorin Frau Kessel
     – Terminliche Vorausschau
     – Absprachen bzgl. der einzelnen Schritte BWO
     – Sichtung des Materials
Klasse 8 / 2.Halbjahr * Besuch des Metallmobils
  Besuch der Ausbildungsmesse im Rathaus Porz
  * Suche eines Praktikumplatzes
  * im Fach Deutsch: – Berichte, Protokoll
                                   – evt. Besuch des Kölner Stadtanzeigers
  * im Fach Politik:    – Bedeutung von Arbeit, Rollenerwartungen
                                   – evt. „Mach‘s richtig“ (Basisqualifikationen)
Klasse 9 /1.Halbjahr * Treffen der Klassenlehrer, Deutsch-, Politik-, Sowilehrer (Sept.)
     – Absprachen
     – Auswahl aktueller Angebote zum Thema Bewerbungen
  * Absprachen in Fachkonferenzen Deutsch u. Mathe bzgl.
    Bewerbungstraining (Okt./Nov.)
  * Durchführung eines 3-wöchigen Betriebspraktikums
  * Terminabsprachen mit Berufsberater
  * Einführung in „Berufswahlorientierung durch Berufsberater“ im BIZ
  * im Fach Deutsch: – Texte aus der Arbeitswelt
  * im Fach Politik:    – Vor- und Nachbereitung des Praktikums
                                     (Mappe, Verhalten …)
  * im Fach Sowi:      –  Mitbestimmung, Konflikte im Betrieb, Arbeitslosigkeit
Klasse 9 / 2. Halbjahr       * Angebote zur Berufserkundung:  – Bewerbungstraining  – Benimm- Training  – Vorstellung von Berufen  –  Ausbildungsbotschafter
  *Besuch der Ausbildungsmesse Vocatium
  * Einzelberatung durch Berufsberater (Sprechstunde i.d. Schule)
  * Tage der Berufsfindung, z.B. Bayer, Ford, Deutz-AG
  * im Fach Deutsch: – Bewerbungsanschreiben als Thema der letzten Arbeit
  * im Fach Politik:     – Betriebsbesichtigungen vor- u. nachbereiten
Klasse 10 / 1.Halbjahr * Training von Vorstellungsgesprächen auch m Fach Englsch
  * Info zu weiterführenden Schulen (BIZ – Besuch)
  * im Fach Sowi: – Sozialversicherungssystem
  * monatliche Sprechstunde des Berufsberaters in der Schule
  *Einführung in Schüler-Online
Klasse 10 / 2.Halbjahr * Hilfestellung für „Unversorgte“, z.B.: Tag der neuen Perspektive
Klasse 9 / 10 Computerkurs:      – Textverarbeitung mit Word
                             – Tabellenkalkulation mit Excel
                             – Internet-Führerschein

5.4.2  Praktika für Schülerinnen und Schüler mit Unterstützungsbedarf
Schülerbetriebspraktika bieten insbesondere den Schülerinnen und Schülern mit Unterstützungsbedarf die Möglichkeit, die Berufs- und Arbeitswelt unmittelbar kennen zu lernen und sich mit ihr auseinander zu setzen. Hierbei werden vor allem die folgenden Ziele verfolgt:

  • Einführung in die Wirklichkeit der Arbeitswelt
  • Orientierungshilfe bei der Berufswahl
  • Frühzeitige Gewöhnung an Belastungen im Arbeitsalltag
  • Nutzen und Entwickeln von praktischen und sozialintegrativen Fähigkeiten
  • Frühzeitige Eingliederungshilfe (z.B. in Förderlehrgänge)
  • Anbahnung von selbstkritischer Einschätzung der eigenen Möglichkeiten durch Vergleich und Erfahrung
  • Stärkung des Selbstbewusstseins (Ich kann schon arbeiten)
  • Einsichtig machen der Notwendigkeit sogenannter Basisqualifikationen, wie Pünktlichkeit, Ausdauer, Gewissenhaftigkeit usw.
  • Anbahnen bzw. Stärken der Fähigkeit, Vorgaben von Fachleuten und Vorgesetzten annehmen zu können
  • Versuch, auch den Sinn schulischen Lernens einsichtig werden zu lassen (im Berufsleben sind gewisse sprachliche, mathematische u.a. Kenntnisse unverzichtbar)

In der Jahrgangsstufe 8 nehmen die Schülerinnen und Schüler mit Unterstützungsbedarf im Rahmen von KAOA an den 3 Betriebsfelderkundungstagen teil, das Praktikum soll jedoch jeweils auf mehrere Tage ausgedehnt werden und möglichst in 3 verschiedenen Betrieben stattfinden. Insgesamt bietet die Schule die Möglichkeit, an maximal 20 Tagen an  Praktika  teilzunehmen.
In der Jahrgangsstufe 9 absolvieren die Schülerinnen und Schüler mit Unterstützungsbedarf im Rahmen des Schülerbetriebspraktikums (3 Wochen) ein bis zu dreiwöchiges Praktikum, abhängig von den individuellen Fähigkeiten und der Belastbarkeit der Schülerinnen und Schüler. Darüber hinaus können die Schülerinnen und Schüler an weiteren Praktika teilnehmen. Im ganzen Schuljahr stehen maximal 25 Tage für Praktika zur Verfügung.
In der Jahrgangsstufe 10 haben die Schüler die Möglichkeit, an maximal 15 Tagen an Praktika teilzunehmen.
Begleitet werden die Schülerinnen und Schüler bei allen Praktika  von sonderpädagogischen Lehrkräften, die ebenfalls für Vor- und Nachbereitung zuständig sind. Der Reha-Berater soll frühzeitig ab der Klasse 9 in die Berufswahlvorbereitung eingebunden werden.